Eine ganze kleine verlassene Siedlung ist für jeden Urbexer und Lost Place-Fotografen etwas besonders: Ein Wohnhaus, eine Wohnanlage, eine ganze kleine Siedlung, prächtig anzusehen und meistens in einem älteren Stil. Genau so wie diese verlassene Siedlung, die ich gerne „Geistersiedlung“ nenne. Im Zechenstil aus früheren Zeiten des Wirtschaftswunder. Als Zechen und Hüttenwerke ihre Hochzeiten hatten, wo man viele Arbeiter brauchte, als man Gastarbeiter holte und ihnen Wohnungen, Siedlungen erbaute. Die Geistersiedlung steht in einer größeren Stadt inmitten des Ruhrgebietes. Wenn man sich der Geistersiedlung nähert, würde man sie nicht als solche erkennen, da sie in einem sehr bewohnten Viertel liegt. Einzig ein Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg lässt auf das Alter des Stadtteiles schließen.

// Plötzlich Geistersiedlung – Warum?

Die Anlage der meist zweigeschossigen Putzbauten mit Walm- und Krüppelwalmdächern wirkt bewusst „malerisch“, der Torbogen weckt Erinnerungen an heimelige Kleinstadtidylle. Ein gern benutzter motivischer Rückgriff auf die „gute alte Zeit“, der freilich im Gegensatz zur Realität der industriellen Arbeit stand. Im weiträumigen, nach Parzellen eingeteiltem Innenbereich befanden sich Gärten und Stallungen, hier wurden Hühner, Tauben, Kaninchen und Meerschweinchen gehalten. Auch diese kleinbäuerliche Lebensform war ein typisches Merkmal der Zechensiedlungen im Ruhgebiet.

Doch seit dem großen Zechensterben im Ruhrgebiet verließen immer mehr Bewohner die Siedlung, zogen weiter wo es noch Zechen gibt / gab. Die letzten Bewohner haben die Geistersiedlung im Jahre 2013 verlassen. Seither ist die Siedlung völlig unbewohnt und der Natur überlassen. Zwar gibt es immer wieder Versuche die Geistersiedlung wieder zu einem wohnlichen Ort der Geborgenheit zu erwecken. Bisher waren alle Versuche leider fehlgeschlagen.

Willkommen in der Geistersiedlung

Der Torbogen, idyllisch lädt er zum Rundgang durch die Geistersiedlung ein. Wir nehmen das Angebot gerne an und gehen durch diesen noch tollen Torbogen durch die Siedlung.

// Geistersiedlung Details

Es gibt so vieles zu sehen, über so vieles zu schreiben. Leerstehende und offene Garagen, der Taubenschlag wo einst die Tauben untergebracht waren. Gartenschuppen in der inneren Grünanlage der Siedlung. Sehr schön großer grüner Innenhof, umgeben von der Siedlung. Alles viel zu sehr heruntergekommen, Vandalismus und Sprayer haben ihr „Bestes“ gegeben. Offene Türen, die den Einstieg in die Wohnungen ermöglichen. Doch da wollte ich alleine nicht hinein, das sollte man auch nicht tun. Das sagt schon der natürliche Menschenverstand! Wenn ich mal wiederkomme, werde ich nicht alleine sein und ja, ich werde wiederkommen.

Die Geistersiedlung ist nicht sehr groß, man kann als Erstes von Außen alles in Augenschein nehmen, dann wagt man sich in den grünen Innenhof. Teilweise sieht man Hundebesitzer auf ihrer Runde, einige Gruppen Urbexer sind ebenfalls unterwegs und selbst Drohnenflieger nehmen jeden Winkel der Siedlung aus der Luft auf. Ein bisschen hat es von Lost Places Tourismus, was ich persönlich sehr schade finde. Weil aus ein paar Leuten wieder große Gruppen entstehen – umso mehr Leute vor Ort sind, umso mehr Müll wird hinterlassen, umso mehr wird „umgebaut“ umso mehr wird einfach alles vernichtet. Das ist nicht der Sinn von Urbexer oder Lost Places Fotografen, sie wollen alles so belassen, möchten Fotos von der Unberührtheit machen. Jeder ihrer Schritte ist durchdacht und vorsichtig gezielt um kaum Spuren zu hinterlassen, damit andere Urbexer das Gleiche vorfinden können wie sie selbst.

// Warnung Lost Places

In erster Linie sollte vor dem Betreten eines Geländes oder Gebäudes der Verstand eingeschaltet werden!

Der unbefugte Zugang zu solchen Orten (Lost Places) ist meist untersagt und das an diesen aufgrund des oft jahrelangen Leerstands und der Verwitterung teilweise akute Lebensgefahr besteht, sollte jedem der eine solche Tour überlegt auch bewusst sein. Ein Betreten ohne entsprechende Genehmigung kann unter Umständen strafrechtliche Konsequenzen mit sich ziehen. Ich (#deGrasi) heiße Aktivitäten dieser Art von Drittpersonen weder gut, noch fördere diese.

Jeder Lost Place hat eine Seele, seinen eigenen speziellen Charme. Auch wenn Gelände oder Gebäude oft jahrelang verlassen sind, heißt dies nicht, dass sich jeder nach Lust und Laune dort austoben kann. Ist ein Gebäude verschlossen – also nicht zugänglich – so ist dies zu akzeptieren und respektieren. Unter keinen Umständen hat man sich hier Zutritt zu verschaffen. Weiter besteht in vielen Gebäuden akute Einsturzgefahr und Gefahr für das eigene Leben.

Passend zum Freitag der 13. wo auf den Straßen der Nebel hängt, es heute Gewittern soll, sogar mit sogenannten Blutregen, kommt dieser Artikel über eine Geistersiedlung von mir. Es ist immer wieder spannend so eine Urbex Tour, eine ganze Geistersiedlung sieht man nicht all zu oft, sieht man so viele versteckte und verdeckte Details. Das die Siedlung auch noch fast direkt vor der Haustüre ist, damit habe ich nicht gerechnet. Umso schöner das ich sie besuchen konnte und neue interessante Eindrücke bekommen habe. Ich finde es sehr spannend und möchte noch weitere solcher Location aufsuchen bevor sie ganz verschwinden.

Da dieser Lost Places sehr gut zu begehen ist, möchte ich dort ein TfP Shooting abhalten. Wenn ein Model Interesse daran hat, schreibt mir bitte eine eMail!

Wenn dich eine Lost Places Tour oder Urbex Tour interessiert und du mich auf einer meiner nächsten Touren begleiten möchtest, KONTAKTIERT MICH.

#deGrasi

Inspirationen Urbex Tour // Plötzlich eine Geistersiedlung